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RedHotChillyJupp, Jürgen Habermas und Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz

Gestern Abend mit guten, alten - fast den ältesten Freunden (mehr als 45 gemeinsame Jahre) bei einem guten Glas Wein; eine Frage treibt uns um: Könnte es sein, wenn wir vielleicht noch zehn gute Jahre haben, dass wir zu der Einsicht gelangen: Wir haben zu wenig getan gegen die zunehmende Rechtsdrift in unserer Republik?! Jürgen Habermas hat nichts unterlassen, um den aufkeimenden Faschismus am rechten Rand unserer Gesellschaft auch unumwunden so zu benennen. Nun ist er also im Alter von fast 97 Jahren gestorben. Gestern habe ich notiert, dass Jürgen Habermas, der mir mit seiner Theorie des kommunikativen Handelns das theoretische Kernstück meiner Dissertation geliefert hat, mich im Laufe der Jahre ins Theorielager Niklas Luhmanns befördert hat; schlicht aus der zunehmenden Einsicht heraus, dass es in der Gegenwartsgesellschaft (Moderne/Postmoderne) keine Instanz mehr gibt, die sozusagen die Gesamtgesellschaft in sich selbst repräsentieren können (sehr ausführlich dargelegt in: Et hätt noch immer jot jejange)

Und dennoch: Beim Lesen der 20 Beiträge in der aktuellen ZEIT (13/26) wurde mir wieder einmal so umfassend und drastisch klar, wie enorm der Idealist und Phantast Jürgen Habermas im Konzert auseinanderdriftender Stimmen, in der Kakophonie eines heterogenen - jedes Zentrum der Selbstvergewisserung vermissenden - Gemeinwesens vermisst werden wird. Ich vermisse ihn natürlich schon jetzt, weil seine gewichtige in der Welt gehörte Stimme nicht mehr sprechen wird. Der von mir gleichermaßen hochgeschätzte Alexander Kluge meint abschließend im Interview mit Peter Neumann (in der erwähnten Ausgabe der ZEIT):

"Ja. Öffentlichkeit muss immer wieder neu entstehen. Und dafür brauchen wir Neugier, Geduld und die Bereitschaft, gemeinsam zu denken. Das Denken von Jürgen Habermas ist nicht vorüber. An dieser Baustelle können wir weiterarbeiten."

An dieser Stelle platziere ich nun RedHotChillyJupp. Das Label RedHotChillyJupp-GegenRechts hätte Jürgen Habermas gefallen. Nimmt man sozusagen den ganz frischen, jungen Ausgangspunkt - sozusagen mit den beiden Gründersongs: Gülser Lausbubengeschichten und vor allem: Wer wir sind - zur Kenntnis, dann gelangt man mit der entschiedenen Haltung, die Jürgen Habermas einem sich demokratisch gebärdenden wieder auflebenden Faschismus entgegenbrachte, bis zu seinem Kontrahenten Niklas Luhmann, der (in: Soziologische Aufklärung 3, vierte Auflage, Wiesbaden 2005, S. 200f.) zu der Idee gelangt:

"Vielleicht sollte es [...] für anspruchsvolle Theorieleistungen ein Art Parallelpoesie geben, die alles noch einmal anders sagt und damit die Wissenschaftssprache in die Grenzen ihres Funktonssystems zurückweist."

Für das, was Carolin Amlinger und Oliver Nachtwey mit ihrer empirisch unterlegten Studie: Zerstörungslust - Elemente eines demokratischen Faschismus (bei Suhrkamp, Berlin 2025) an Befunden vorlegen, gibt es mit: Wer wir sind genau diese starke Variante einer Parallelpoesie. Sie wird vermutlich und naheliegenderweise von sehr viel mehr Menschen zur Kenntnis genommen werden als hochkomplexe und sprachlich schwer zugängliche wissenschaftliche Abhandlungen.

Ja, werter Alexander Kluge: Öffentlichkeit muss immer wieder neu hergestellt werden. Wir nehme die Baustelle an und werden ein Sondervermögen mobilisieren, mit dem wir dem Rechtsruck entgegentreten! Ich bind dabei: Seit mehr als vierzig Jahren schreibe ich Texte. Meine Schubladen sind voll. Meine Kinder und ehemalige StudentInnen haben mich überredet einen Instagram-Account zu starten. Nun ja, seit heute Morgen bin ich da online und habe das folgendermaßen kommentiert:

Ab 5.45 Uhr wird nun zurückgesungen und Lied mit Lied vergolten: Aktuelle Verlautbarung aus dem Hauptquartier von RedHotChillyJupp - die Offensive gegen Unbelehrbare, Rechte und Nazis wurde erfolgreich eingeleitet!
Es wurden bereits erhebliche Landgewinne erzielt

Mit sechs Stücken bin ich erst einmal gestartet: Den LausbubengeschichtenWer wir sindHier kräht der KrahRettet MalleWir sind die Silben und Mir fehlen die Worte.

Das ist doch viel zu viel haben die Instagram-erfahrenen User gemeint. Ich entgegne: Das sind doch nur sechs Songs. Ich hab ja Dutzende und Aberdutzende in der Pipline. Wann sollen die denn alle raus? Nun ja, ich sage mal - in etwas ruhigerem Fahrwasser - Woche für Woche! Nein: Tag für Tag!

   
© ALLROUNDER & FJ Witsch-Rothmund