<<Zurück

 
 
 
 

RedHotChillyJupp – die vierte Episode meines Podcasts – der Einstieg in die Frage, warum Liebe weh tut!

Ich habe in der letzten Episode davon gesprochen, dass sich – vor allem durch die Vertonung des Textes Wer wir sind die Nahtstelle zeigt, die die beiden zentralen Fragestellungen: Warum Liebe weh tut und Warum Dummheit weh tut in einen unmittelbaren Zusammenhang bringt.

Aus diesem Lied Wer wir sind zitiere ich an dieser Stelle fünf Strophen, die uns tief hineinführen in die Frage, wie man das Phänomen Liebe in all seinen Facetten ansprechen kann. Julia Onken ist es im Übrigen, die uns darauf aufmerksam macht, dass Liebe – will man sie in ihrer umfassenden Vielfalt begreifen – mindestens drei Dimensionen umfasst, von denen schon die Griechen wussten. Sie unterschieden Eros – Philia und Agape. Im Fortgang des Podcasts werden diese Unterscheidungen noch eine maßgebliche Rolle spielen:

In Wer wir sind heißt es:

„Gewiss kann heute jeder seh‘n
dass – wo die Seele grob verroht,
wo Solidarität und Mitgefühl vergeh‘n
ein steter Kreislauf droht.

Klaus Theweleit ruft in die Runde:
„Seht dort, die halb-gebor‘ne Brut*,
wie ein Fanal trägt sie die Wunde,
verwandelt sie in rohen Hass und Wut.

Was heißt hier: halb-gebor'ne Brut?“
Nicht jedes Kind wird angebrüllt, geschlagen,
alleingelassen – ohne Zuspruch, ohne Mut,
auf sich gestellt in allen Lebenslagen!

Du meinst, es fehlt an Liebe und an Wärme –
vielleicht ganz schlicht: an Urvertrau'n?
Und Angst schürt das Gelärme?
Worauf soll man denn bau'n?

Ja, Angst bereitet immerfort den Grund,
mit dem beginnt die Welt sich aufzulösen,
- nur noch Fragment, kaputt und wund -
wer sind die Guten, wer die Bösen?“

Ja, Du meinst, es fehlt an Liebe und an Wärme – vielleicht ganz schlicht an Urvertraun? Und Angst schürt das Gelärme – worauf soll man denn bau’n?

Für den kürzlich verstorbenen Schriftsteller, Filmemacher und einen der profiliertesten Gewährsleute einer sich zutiefst  demokratisch verstehenden Republik, Alexander Kluge, lag die Antwort auf der Hand. Von ihm stammt jene Formulierung, mit der ich mich zutiefst identifiziere:

"Sehn sie, wenn die Zeiten sich so verdichten und beschleunigen, dass sie unheimlich sind - wenn die zeiten sozusagen zeigen ein Rumoren der verschluckten Welt, als seien wir im Bauch eines Wals angekommen... wenn das alles so ist, dass man sich wie im Bauch eines Monstrums fühlt, dann kommt es darauf an sich zu verankern. Es ist am leichtesten sich zu verankern, in dem, was wir in uns tragen! Sehen Sie, wenn wir beide unsere 16 Urgroßeltern nehmen - unter der Zahl werden wir nicht geboren sein - dann können sie sagen, die sind so extrem verschieden und wussten so wenig, in welchen Körpern sie einmal zusammenkommen werden, dass wir eigentlich denken müssten, bei uns müsste Bürgerkrieg herrschen." (siehe auch hier)

So schärfe ich denn die Nahtstelle damit, dass ich für mich selbst bekenne, meine Mensch- und Personwerdung zutiefst auf den Dank gründe, der meiner Familie und meinem sozialen Umfeld gilt; urvertrauliche Bindung und liebevoll geankerte Zugehörigkeit spannen das Feld auf, das Julia Onken eher mit den Liebesdimensionen von Philia – Freundschaft – und Agape, einer eher altruistisch geerdeten Allliebe beschreiben würde.

Auf diesem Hintergrund wird es viele verblüffen, dass ich in der heutigen Episode eher dem Eros den Vorrang einräumen werde. Aber auch diese Entscheidung werde ich mit Hilfe der Unterscheidungen Julia Onkens auf überzeugende Weise begründen können!

Zuvor möchte ich aber anschließen an die zitierten Strophen aus dem Lied Wer wir sind. Mit Hilfe einer unfassbar trivialen Unterscheidung öffnet sich hier ein Blick auf ein individuell und gesellschaftlich betrachtet gewaltiges Phänomen mit immer schon unabsehbaren Folgen.

Auf Seite 16 des von Hartmut von Hentig 1996 veröffentlichten Essays Bildung findet sich folgender Satz:

„Eine einzige Geste eines anderen, in seinem Gemüt gespeichert, kann ihn ein Leben lang mit Eifersucht oder Haß oder Hypochondrie erfüllen, ein einziges Wort ihn mit Sehnsucht oder Heilsgewißheit oder Verblendung schlagen.“

Es mag geradezu zynisch anmuten, wenn ich hier den von mir – im professionellen Kontext über die Maßen geschätzten Impressario einer zeitgemäßen reformpädagogischen Aufbruchstimmung in den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts zitiere. Der unterdessen Hundertjährige hat sein eigenes Lebenswerk nämlich ruiniert durch seine Haltung gegenüber den bekannt gewordenen Missbrauchsfällen durch seinen Lebensgefährten Gerold Becker während dessen Zeit als Schulleiter an der Odenwald-Schule. Viele werden sich erinnern an die pädokriminellen Praktiken und Verbrechen unter dem Deckmantel einer vermeintlichen >sexuellen Emanzipation< im Kontext der Reformpädagogik.

„Am Du wächst jedes Ich“! Diese Martin Buber geschuldete Erkenntnis muss man eben seiner gleichermaßen betonten Einsicht gegenüber stellen, dass erst Abstand auch Beziehung ermöglicht. Alle Überwältigungsmachismen führen bei den Geschädigten zu lebenslanger Traumatisierung. Vermutlich gibt es keinen vollumfänglichen Beziehungskosmos, ohne dass Kränkung, Verletzung, auch Demütigung – ob gewollt oder ungewollt – tiefe Spuren eingraben in komplexe Beziehungswelten; Welten, die ihrerseits strukturell geprägt werden von den Verhaltensweisen und Praktiken zutiefst gestörter und pathogen hervortretender Gewaltmenschen: „Gewiss kann heute jeder seh’n, dass – wo die Seele grob verroht, wo Solidarität und Mitgefühl vergeh’n, ein steter Kreislauf droht.

Hat man Glück, wie ich es oben beschrieben habe, geht man nicht nur gestärkt in diese Welt, sondern man ergreift im besten Fall die Chance, die Zeit seines Lebens nicht nur zu leben, sondern sie bewusst und mit Hilfe von Unterscheidungen wahrnehmen, kritisch beleuchten und ein Stück weit auch mit gestalten zu können.

So geerdet, ausgestattet mit einem satten Urvertrauen und Zugehörigkeit verbürgender Bindung bin ich in diese Welt gestartet – auch in die Welt des Eros.

Die weiter oben erwähnte Julia Onken spricht von Triebkräften, die eine solch gewaltige Kraft über uns ausüben, dass sie uns in der Abnabelung von der Familie einen gehörigen Stoß geben, um uns auf den Weg zu machen, um zu Liebenden zu werden. Und der Eros ist die Anlaufstelle am Fuße des Berges; eine An-Triebs-Kraft, die uns anspornt, die uns auf den Weg schleudert, um den Berganstieg zu bewältigen. Julia Onken spricht mit Blick auf dies urgewaltige Kraft des Eros von „Liebe machen“. Präziser könne man es eigentlich nicht ausdrücken, denn diese Formulierung beschreibe genau, um was es sich handelt; die Liebe wird gemacht. „Miteinander schlafen“ beschreibe den Gegensatz zur Wachheit. Miteinander eintauchen in die Dunkelheit, sich den Triebkräften überlassen, die nicht dem wachen Bewusstsein des Menschen entspringen. Sie betont, dass diese Sichtweise die Sexualität keineswegs abwerten solle. Ihr wird lediglich der Platz zugewiesen, der ihr zusteht: Anlaufstelle, Anlasser, vitalisierendes Element zu sein, das ungeheure Energien freisetze, um die Liebesfähigkeit zum Blühen zu bringen. Sexualität übernehme lediglich eine Funktion und sei nicht das Ziel.

Aber dazu werden wir in den weiteren Episoden des Podcast vordringen.

Heute steht jene urgewaltige Kraft im Vordergrund, die Menschen füreinander mit galaktischer Anziehungskraft attraktiv macht. In Zeiten der me-too-Debatte habe ich mich schon lange entschlossen meine eigenen – teils früh entstandenen – Texte einer gründlichen Kontextualisierung zu unterziehen. Diese Anstrengungen sind in meinem parallel weiterlaufenden Blog dokumentiert. Heute gebe ich die Bühne frei für zwei Songs, deren textliche Existenz in meinem ersten Lyrik-Bändchen Das Leben ein Klang verankert ist. Sie finden sich wieder im Kapitel Café-Hahn-Impressionen – ihre Wurzel haben sie allerdings – in diesem Falle – in meinem männlichen Blick; der wiederum steht nur stellvertretend für ein Phänomen, das auch Personen zutiefst vertraut ist, deren sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität von den gesellschaftlichen Hetero- und Cisnormen abweicht. Auf Deutsch wird dafür oft das Akronym LSBTIQ verwendet.

Beginnen möchte ich aber sozusagen mit dem Song, mit dem ich meine lyrischen Kinder in die Welt entlasse – auch unter dem Motto: Am Du wächst jedes Ich

Die lyrische Verdichtung ist der Höhepunkt einer gleichermaßen poetischen wie rationalen im Sprachraum sich ereignenden Durchdringung – häufig in der Gestalt von existenziellen Grenzerfahrungen. Die Liebe in all ihren Spielarten gehört dazu.

Von Peter Sloterdijk – dem philosophischen Faktotum, dem ich unfassbar vielfältige und originelle Sprachinfusionen verdanke, stammt die schlichte Auslassung: wo Tätowierung war, soll Kunst werden, oder: wo Brandmarkung war, soll Sprache entstehen. Meine Texte zu den eingespielten Songs belegen präzise, was Peter Sloterdijk uns sagen mag:

Ich halte mich im folgenden an Julia Onken und begebe mich in die Niederungen, in die dunklen, abgeschatteten Zonen, in denen sie die dynamischen – häufig Turbulenzen auf allen Ebenen auslösenden Energien des Eros verortet: Zwei Lieder – das eine bekannt, weil sich ihm das zu Beginn eines jeden Podcasts erklingende Jingle verdankt. Das zweite Lied aus meinen Café-Hahn-Impressionen geht dann tatsächlich ans Eingemachte. Wir bekommen zu hören, was gewissermaßen seismografisch aufgezeichnet werden könnte auf dem Seelenpergament eines jeden dem Eros erliegenden Beobachter.

Der dritte Song überlässt uns nun vollkommen dem Erspüren jener feinen Irritationen, die hier in Klarsprache auf den Punkt gebracht werden.

Nichts außer Eros – Fremde, die sich begegnen und augenblicklich erfasst werden von der Strahlkraft erotischer Anziehung. In all ihren Farben mag sie sich verändern – vor wenigen Tagen habe ich mit meiner Frau meinen 45sten Hochzeitstag begangen – dankbar, unendlich dankbar und immer noch gefangen. Das dazu passende Liedgut wird in vielen weiteren Episoden meines Podcasts eine herausragende Rolle spielen. Heute  - weil es soviel Spaß und Freude macht, noch eine Zugabe…

Hinweis für Instagram-Nutzer:

Hey Leute, ihr kennt mich schon über die geile Mucke meiner bislang 27 Songs – heute präsentiere ich euch meinen brandneuen Podcast! 🎧🔥

Vergesst langweilig:

Hier erwartet euch die perfekte Symbiose aus geiler Mucke und anregenden, aufregenden, Aufsehen erregenden Texten!

💥 Wir gehen den zwei ganz großen Fragen auf den Grund: Warum tut Dummheit weh? Und warum tut Liebe weh?

Ihr könnt euch schon denken, dass euch hier Spektakuläres geboten wird. Die ersten vier Episoden sind ab sofort ON AIR! 🚀🎙️

Um reinzuhören, findet ihr den Link zum Podcast in der Beschreibung

This is not a test – this is redhotchillyjupp

Kleine Ergänzung für alle Gülser – hört in die zweite Episode hinein – sie spielt mitten in Güls, auf dem Plan und sie hält einige Überraschungen bereit. 

   
© ALLROUNDER & FJ Witsch-Rothmund