REDHOTCHILLYJUPP versendet eine Flaschenpost an Herzland – am 9. November 2026
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Lied: Ein Jahr neigt sich dem Ende |
Tova Friedman hat am 27. Januar 2026 im Deutschen Bundestag im Rahmen der Gedenkstunde eine Rede gehalten, die ihr eigenes Überleben im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau für alle Zuhörer und Zuschauer in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit rückte. So sehr diese Rede berührte durch die äußerst konkreten Schilderungen einer inzwischen 87 Jahre alten Frau, so sehr betonte sie in ihrer Rede die Voraussetzungen für ein Handeln, das in seiner Grausamkeit und Unmenschlichkeit immer wieder die Grenzen unserer Vo rstellungskraft überschreitet (siehe exemplarisch: Posener Reden Heinrich Himmlers und hört: ßßß Wie kann das sein?). Will man der Vorstellungskraft mit Blick auf die Grausamkeit und die Unmenschlichkeit der Massenvernichtung im Zuge der sogenannten Endlösung aufhelfen, so muss man die Prämissen in Augenschein nehmen, die einem entsprechenden Handeln zugrunde lagen. Sie entziehen sich als tiefster und radikalster Ausdruck jenes Menschheits-verbrechens und des damit einhergehenden Zivilisationsbruches einem Verständnis, wie es die Mütter und Väter der Grundgesetzes - darauf wies Julia Klöckner als Präsidentin des Deutschen Bundestages in ihrer Eröffnungsrede am 27. Jamuar 2026 hin – im Geist des Grundgesetzes verankert haben (Tova Friedman, Margot Friedländer, Leon Weintraub, Rosa und Leo Wolff und allen Namenlosen ist Ein Jahr neigt sich dem Ende zugedacht:
In Artikel 1 und Artikel 3 des Grundgesetzes – wie insgesamt in unserem Grundgesetz – manifestieren sich die Grundfesten eines Menschenbildes, das sich zu den unveräußerlichen Menschenrechten und zur Unantastbarkeit der Würde des Menschen bekennt und damit die Gleichheit aller Menschen vor dem Gesetz unumstößlich verankert. Damit wird eine politische Ideologie gebrandmarkt, die ein Menschenbild und den Begriff des Politischen in nationalsozialistischer Ausprägung begründeten, und wie es sich in exemplarischer Weise in der Rassengesetzgebung der Nazis manifestierte. Der kategorialen Ausgrenzung von Menschen wegen ihres Geschlechtes, ihrer Abstammung, ihrer Rasse, ihrer Sprache, ihrer Heimat und Herkunft, ihres Glaubens, ihrer religiösen oder politischen Anschauungen oder einer irgendwie gearteten Behinderung oder Beeinträchtigung wird damit ein rechtsstaatlich verbürgter Riegel vorgeschoben.
Wenden und verkürzen wir diese Grundhaltung einmal auf eine literarische Auslegung und beziehen sie auf unsere engere Heimat an Rhein und Mosel, so hat den dahinter stehenden Geist kaum jemand besser und präziser benannt als Carl Zuckmayer. Er demaskiert und entlarvt die Rassenideologie der Nazis, aber auch aktuell derer, die das Wörterbuch des Unmenschen wieder ins Sagbare verschieben, indem sie erneut reden und faseln von Blut und Boden, von deutscher Substanz und völkisch-rassischer Alleinstellung. So kräht nämlich die Übelkrähe Maximilian Krah àà
In des Teufels General – noch 1944 im Exil geschrieben – lässt Carl Zuckmayer General Harras mit seiner Hommage an den Rhein als der Völkermühle des Abendlandes den Rassenwahn der Nazis entzaubern. Er wäscht dem jungen Leutnant Hartmann, der ein Problem mit seiner Ahnentafel hat, den Kopf.
Hören wir noch einmal aus der Schlüsselszene den großen Monolog des General Harras:
„Denken Sie doch Hartmann – was kann da nicht alles vorgekommen sein in einer alten Familie. Vom Rhein – noch dazu. Vom Rhein. Von der großen Völkermühle. Von der Kelter Europas. Und jetzt stellen Sie sich doch mal Ihre Ahnenreihe vor – seit Christi Geburt. Da war ein römischer Feldhauptmann, ein schwarzer Kerl, braun wie ne reife Olive, der hat einem blonden Mädchen Latein beigebracht. Und dann kam ein jüdischer Gewürzhändler in die Familie, das war ein ernster Mensch, der ist noch vor der Heirat Christ geworden und hat die katholische Haustradition begründet. – Und dann kam ein griechischer Arzt dazu, oder ein keltischer Legionär, ein Graubündner Landsknecht, ein schwedischer Reiter, ein Soldat Napoleons, ein Schwarzwälder Flözer, ein, ein dicker Schiffer aus Holland, ein französischer Schauspieler, ein böhmischer Musikant – das alles hat am Rhein gelebt, gerauft, gesoffen und gesungen und Kinder gezeugt – und – und der Goethe, der kam aus demselben Topf, und der Beethoven, und der Gutenberg, und der Matthias Grünewald, und – ach, was, schau im Lexikon nach. Es waren die Besten, mein Lieber! Die Besten der Welt! Und warum? Weil sich die Völker dort vermischt haben. Vermischt – wie die Wasser aus Quellen und Bächen und Flüssen, damit sie zu einem großen, lebendigen Strom zusammenrinnen. Vom Rhein – das heißt: Vom Abendland. Das ist natürlicher Adel. Das ist Rasse. Seien Sie stolz darauf, Hartmann – und hängen Sie die Papier Ihrer Großmutter in den Abtritt.“
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Podcast - Ep. 37 |
Heimat ist ein Gefühl – so hat es Herbert Grönemeyer vor mehr als 25 Jahren besungen. Aber Heimat ist mehr als ein Gefühl! Heimat ist eben auch ein Ort – es muss auch ein Ort sein, der uns, der allen Menschen Bleibefreiheit (Eva von Redecker) garantiert. In der Oktoberausgabe auf Seite 3 des Gölser Blättchens findet sich unten links ein kleiner Hinweis: Ökumenische Gedenkfeier – anlässlich der Reichspogromnacht (am 9.11.2026 um 18.00 Uhr in der Alten Kirche Güls). Es werden Texte der Zeitzeugin Margot Friedländer gelesen. Bis zuletzt war eben sie präsent mit ihrer Mahnung: „Es ist wichtig, dass ihr erfahrt, was wir erlebt haben. Damit nie wieder geschieht, was geschehen ist: dass Menschen andere Menschen umgebracht haben, weil sie sie nicht akzeptiert haben.“ Es braucht aber heute unsere Stimmen – unser aller Stimmen, um allen Heimat im Sinne der erwähnten Bleibefreiheit zu garantieren. Wer nachvollziehen will, warum die AfD von der Europäischen Rechten ausgegrenzt wird und in Europa eine peinliche Sonder-rolle einnimmt, kann dies über den Podcast von RedHotChillyJupp tun: Die 37. Episode ààà
widmet sich mit Jörg Bong - besser bekannt als Jean Luc Bannalec (Erfinder des bretonischen Kommissars Dupin) einer Aufarbeitung dieser Frage.
Und Heimat verbürgt sich offenkundig auch in Sprache. In beeindruckender und angesichts des Menschheitsverbrechens der Nazis kaum nachvollziehbarer Haltung sagt Paul Celan in seiner Dankesrede anlässlich der Verleihung des Literaturpreises der Freien Hansestadt Bremens 1958:
"Erreichbar, nah und unverloren blieb inmitten der Verluste dies eine: die Sprache. Sie, die Sprache blieb unverloren, ja, trotz allem. Aber sie musste nun hindurchgehen durch ihre eigenen Antwortlosigkeiten, hindurchgehen durch furchtbares Verstummen, hindurchgehen durch die tausend Finsternisse todbringender Rede. Sie ging hindurch und gab keine Worte her für das, was geschah; aber sie ging durch dieses Geschehen. Ging hindurch und durfte wieder zutage treten, >angereichert< von all dem.
In dieser Sprache habe ich, in jenen Jahren und in den Jahren nachher, Gedichte zu schreiben versucht: um zu sprechen, um mich zu orientieren, um zu erkunden, wo ich mich befand und wohin es mit mir wollte, um mir Wirklichkeit zu entwerfen. Es war, Sie sehen es, Ereignis, Bewegung, Unterwegssein, es war der Versuch, Richtung zu gewinnen. Und wenn ich es nach seinem Sinn befragte, so glaube ich mir sagen zu müssen, dass in dieser Frage auch die Frage nach dem Uhrzeigersinn mitspricht. Denn das Gedicht ist nicht zeitlos. Gewiss, es erhebt einen Unendlichkeitsanspruch, es sucht, durch Zeit hindurchzugreifen - durch sie hindurch, nicht über sie hinweg. Das Gedicht kann, da es ja eine Erscheinungsform der Sprache und damit seinem Wesen nach dialogisch ist, eine Flaschenpost sein, aufgegeben in dem - gewiss nicht immer hoffnungsstarken - Glauben, sie könnte irgendwo und irgendwann an Land gespült werden, an Herzland vielleicht. Gedichte sind auch in dieser Weise unterwegs: sie halten auf etwas zu."
Paul Celans Flaschenpost ist 68 Jahre später bei mir angelandet in Herzland. Sie ist mir zu Kopf gestiegen und ich stelle mit meinem Alter Ego REDHOTCHILLYJUPP immer wieder die Frage: Wer wir sind? – und vor allem: Wer wir sein wollen? und stimme mit ihm ein in ein kategorisches und unbedingtes: NIE WIEDER - GEGEN DAS VERGESSEN! Paul Celans Flaschenpost übergebe ich dem Rhein. Er möge diese Botschaft in alle Ozeane dieser Welt tragen und sie möge anlanden in Herzland. Sie möge die Köpfe und die Herzen der Menschen fluten in Koblenz, in Güls, in Moskau, in Teheran, in Peking, in Washington, in Tel Aviv und allüberall auf dieser Welt.
Wer wir sind
Verantwortlich:
Dr. Franz Josef Witsch-Rothmund
Am Heyerberg 11, 56072 Koblenz
Gesamtpodcast: Warum Liebe weht
tut und Warum Dummheit weh tut?
