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Puh, Patchwork – Wie Familie trotz Trennung gelingen kann (SPIEGEL 52/25, Seite 10-16)

STARK spielt auch eine Rolle (bitte auch unbedingt  hier anklicken) - und Andreas Kirchners differenzierter Blick auf Trennungen

Es beginnt mit einer offenen Patchwork-Elterngruppe. Sie soll Raum für ehrlichen Austausch bieten. Dann werden eine Fülle alltäglicher Probleme angerissen – mit dem Resümee:

„Die Elterngruppe könnte überall tagen. Sie steht beispielhaft für Hunderttausende Menschen in Deutschland, Schätzungen zufolge lebt hier in jeder zehnten Familie ein Stiefelternteil. In diesen zusammengewürfelten Familien sind die Eltern geschieden oder getrennt, die Töchter und Söhne wohnen vorwiegend bei einem Elternteil oder pendeln zwischen Mutter und Vater.“

Wir langen an bei dem, was die Soziologie komplexe Stieffamilien nennt. Dem SPIEGEL-Beitrag – das muss man ihm ehrenhalber zugutehalten – geht es nicht um eine euphemistische Glättung von Entwicklungstrends, die selbstredend ihre Tücken in sich bergen:

Theodor W. Adorno: Tisch und Bett und Karl Otto Hondrich: Rauft euch zusammen!

Umfassendere Verlinkungen und versprochene Ausflüge in das Lyrische Klärwerk werden nachgeliefert!

Ja, hat man einmal angefangen, verliert man sich leicht in Theodor W. Adornos knappen, doch um so eindringlicher daher kommenden Aphorismen. Bedenkt man, dass sie bei Suhrkamp erstmals 1951 erschienen sind, erscheinen einem die - wie mit einem Skalpell vorgenommen - Schnitte in die Wirklichkeit unseres sozialen Lebens tatsächlich wie das gebleckte Gebiss eines harten Hundes. Dies erscheint hier jemandem auf so brutale Weise, der all dies kennt; es erscheint jemandem, der im chaotischen Gewirr der Gleise, auf denen er sich vor mehr als dreißig Jahren bewegte, jene Weiche erwischte, deren richtungsweisende Kurskorrektur ihm dann ein Jahrzehnt später von Karl Otto Hondrich in Gestalt seiner gleichermaßen gewaltigen wie hilflosen Reflexionen in: Liebe in Zeiten der Weltgesellschaft geschenkt wurde. Seither erscheint Karl Otto Hondrichs in Total-Ambivalenz ausgerufener Appell: "Rauft euch zusammen!" wie ein ewig präsenter Nachhall auf die Irrungen und Wirrungen, denen in der postmodernen Gesellschaft mit ihren Individualisierungschüben und -verheißungen niemand entgeht. 

Warum Liebe endet - Eva Illouz: Eine Soziologie negativer Beziehungen verbunden mit der Frage, inwieweit man Kinder davor schützen kann?

Es gibt in Eva Illouz' Buch ein Kapitel, das sie mit dem Titel überschreibt: Die Scheidung und die Position der Frau im emotionalen Feld (S. 279-284). Stellt man den folgenden Kernaussagen zu einer Soziologie negativer Beziehungen Befunde voran, die geschlechtsspezifische Unterschiede im emotionalen Feld betonen, wird vielleicht klarer, was sich doch an gravierenden Veränderungen und Unterschieden zwischen Männern und Frauen beobachten lässt. Eva Illouz spricht von der überragenden Bedeutung emotionaler Prozesse in der Ehe und als Scheidungsursache. Und hier gibt es ganz offenkundig gewaltige Unterschiede zwischen Frauen und Männern:

"Die bisher angeführten Erkenntnisse - dass Frauen eher eine Bindung suchen, eher eine Scheidung einreichen und dies eher aus emotionalen Gründen tun als Männer - legen nahe, dass Frauen so, wie sie sexuelle Verträge anders eingehen als Männer, auch die Ehe anders erleben und eine Scheidung anders in die Wege leiten. Sie bedienen sich dazu in beiden Fällen ihrer Emotionalität, berufen sich auf sie und steuern sie." (S. 281)

Theodor W. Adorno - Ein harter Hund?

Für Rudi Krawitz (11.12.1943 - 01.09.2025)

Erscheint Theodor W. Adorno im vorangegangenen Beitrag noch als jemand, der das mors certa - hora incerta in all seiner konkreten Mächtigkeit in unsere Empfindungwelt rückt und darin spiegelt, erweist er sich in seiner einhundertundsechsten Auslassung seiner Aphorismensammlung Minima Moralia - Die Blümlein alle - (Seite 218-219) als brutaler und erbarmungsloser Bilanzbuchhalter gescheiterter Lebensläufe. Denen droht er sozusagen in desaströser Bilanzierung:

"Wer aber verzweifelt stirbt, dessen ganzes Leben war umsonst."

Und allen, die in der Illusion leben, Erinnerungen seien der einzige Besitz, den niemand uns nehmen könne, ruft er zu:

"Erinnerungen lassen sich nicht in Schubladen und Fächern aufbewahren, sondern in ihnen verflicht
unauflöslich das Vergangene mit dem Gegenwärtigen.
"

Und die gegen Verdinglichung gewandte Konzeption Bergsons und Prousts, derzufolge das Gegenwärtige, die Unmittelbarkeit nur vermittelt durchs Gedächtnis sich konstituiere, die Wechselwirkung von Jetzt und Damals, habe darum nicht nur den rettenden, sondern auch den infernalischen Aspekt:

   
© ALLROUNDER & FJ Witsch-Rothmund
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