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Podcast Ep.13: Die Liebe in all ihren Farben
Für alle - Für Jungverliebte und Goldpaare und alle dazwischen
Die nächste – also nominell die dreizehnte Episode ist fertig. Sie nimmt sich düster aus und das passt zur Symbolkraft der Zahl 13. Sie knüpft nahtlos an die elfte Episode an: Ehrfurcht angesichts der Katastrophe. Deshalb werde ich sie aussetzen. Ich werde sie erst als Episode 14 online stellen. Und in der Episode 13 erfülle ich mir einen Traum: Ich mache Radio. Es fällt mir ja nicht schwer unter den zwei großen Leitfragen. Warum Liebe weh tut und Warum Dummheit weht tut ein Themenhighlight zu kreieren, das höchst unterhaltsam daherkommt, weil es in erster Linie musikalisch unterlegt ist und die Höhen und Tiefen in der Liebe auslotet:
Romantische Liebesphantasien, die der Soziologe Peter Fuchs mit der gleichermaßen griffigen wie nüchternen Formel auf den Punkt bringt: Wir zwei auf den einen Seite – der Rest der Welt auf der anderen Seite. Zwei Menschlein – ob hetero, homo, queer oder wie auch immer – verlieren sich miteinander in wechselseitiger Komplettberücksichtigung im Modus der Höchstrelevanz (also unter Einschluss von Körper und Seele und im Ausschluss Dritter). Den allermeisten Menschen ist der Flug in die Galaxien der Verliebten durchaus vertraut. Die meisten von uns haben das erlebt – und ganz gewiss befinden sich ungezählte Verliebte – während dieser Podcast hier auf Sendung geht – auf einer entsprechenden Umlaufbahn.
Die Frage, die man sich irgendwann beantworten muss, lautet schlicht: Wie bekommt man nach einer manchmal unsanften Landung wieder festen Boden; am besten ein Boden, auf dem man jenseits erotischer Irritationen und jenseits romantischer Liebesphantasien als Paar einen langen Weg gemeinsam gehen kann.
Die Neue Zürcher Zeitung stellt uns in ihrer Ausgabe vom 15.9.2006 das Ehepaar Otto und Lisel Haegi vor – es feiert seine Gnadenhochzeit, das 70jährige Ehejubiläum; mit ihren drei Kindern, sieben Enkel und acht Urenkeln. Der Rat, den sie uns mit auf den Weg geben: „Nicht mit Groll schlafen gehen“!
Die Songs, die ich nun in der Folge zusammengestellt haben, wissen – alles in allem – auch schon um die Bedeutung des Rates, den uns das Ehepaaar Haegi mit auf den Weg gibt. Aber die Höhen und Tiefen, die Irrungen und Wirrungen, die ein langes, langes gemeinsames Leben begleiten, es gefährden und in nicht seltenen Fällen auch scheitern lassen, lassen sich nur in buntesten Farben besingen – von einem Rot in all seinen farblichen Schattierungen bis hin zu einem Grau, das es immer wieder aufzuhellen gilt – viel Spaß wünscht RedHotChillyJupp
Ja, so reifen die Kirschen hin zur lockenden Frucht, in all ihren Farben, in all ihrem Duft. Wir bleiben im Modus erotischer Phantasien und – wer sonst als Mea Voice – könnte uns einmal mehr das Feuern der Neuronen und die Irritationen der Synapsen nahebringen?
Das Spiel, das nur zu Zweien geht, erfasst uns in der Regel naiv und unvorbereitet. Wir leben und lieben uns hinein in eine gleichermaßen faszinierende wie bedrohliche Welt – und so besteigen wir die Achterbahn der Gefühle und eines uns manchmal überfordernden Beziehungschaos.
Im Aufbruch – mitten in der Welt romantisch aufgeladener Erwartungen sehnen wir uns danach die andere Hälfte, die uns rund und ganz macht, zu finden. Diese Sehnsucht findet ihre ganz eigene Sprache.
Ja, und dann geht das Leben weiter zwischen buntesten Farben und eintönigstem Grau. Wir sind noch nicht jene, die wir möglicherweise und im besten Falle einmal sein werden, wenn wir durch all die Feuer gegangen sind, die das Leben für uns bereithält. Im folgenden Song hören wir sowohl männliches Timbre als auch jene weibliche Einflüsterung, die die Sehnsucht danach, noch einmal Beben und Schweben zu dürfen, nicht zu einem einseitigen Phänomen macht.
Beben und Schweben mitten im Leben finden häufig in jenem Kontext und jener Lebensphase statt, die man unter dem Begriff Krise in der Lebensmitte kennt. Das trifft Frauen und Männer gleichermaßen. Im Fortgang des Podcasts wird davon noch oft die Rede sein. Erfahrene Paar-Therapeutinnen – vor allen anderen Detlef Klöckner mit seinen Phasen der Leidenschaft (2007 bei Klett-Cotta) beschreiben die Krise in der Lebensmitte als eine tiefgreifende Sinn- und Identitätskrise (meist zwischen 35 und 55 Jahren). Betroffene ziehen Bilanz, spüren innere Unzufriedenheit und werden sich der eigenen Sterblichkeit bewusst. Dies kann zu radikalen Veränderungen in Partnerschaft, Beruf oder Lebensstil führen. Alle Frauen werden Nonnen legt davon ein beredtes Zeugnis ab.
Welche Saite klingt in mir – die in diesem Lied verarbeiteten Erfahrungen teile ich mit vielen Gleichaltrigen aus meinem Freundes- und Bekanntenkreis. Es ist noch einmal der Versuch die naive, gänzlich unschuldige Seite in diesem Geschehen hervorzukehren, während Wir sind die Silben auf dem Sprung zur Sprache eine reife und erwachsene Haltung anspricht. Ich lasse beide Stücke nahtlos ineinander übergehen.
Welche Saite klingt in mir
Wir sind die Silben auf dem Sprung zur Sprache
Manche von uns werden alt – sehr alt. Mit meinen 74 gehöre ich zu den jungen Alten. Und neben uns – neben Claudia und Jupp – gibt es in meinem Bekanntenkreis eine ganze Reihe von Dinopaaren, die stramm auf die Goldene Hochzeit zumarschieren.
Der und die ein oder andere haben auch das Höllenfeuer gesehen. Aber sie sind nicht verbrannt. Sie können heute vielleicht die gehörten Zeilen unterstreichen:
Wir bewahren uns in unseren Herzen – wir bleiben auf der Hut – und finden immer neuen Mut.
Und im besten aller Fälle mögen wir uns nicht nur unverzagt und tapfer überstehen, sondern wir werden unseren Weg gemeinsam weitergehen, bis das der Tod uns scheidet.
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Podcast Ep.12: Wer um Himmels Willen ist denn nun dieser Hape Kerkeling?
"Die Antwort ist ganz einfach.
Ich bin meine Mutter und mein Vater,
meine Großeltern, mein Bruder,
meine Tante Gertrud, Tante Lisbeth,
Tante Hedwig, Onkel Kurt und Tante Veronika.
Ich bin Frau Edelmund, Frau Rädeker und Frau Strecker
und viele mehr. Jeder hat mich zu dem gemacht,
was ich bin.
Und gleichzeitig bin ich auch Tante Lore
und die Richtung, in die sie mich im Kinderwagen
auf dem Feldweg schiebt.
Ich bin die gescheckte Kuh auf der Weide,
das gelbe Korn auf dem Feld
und der rote Mohn am Wegesrand.
Ich bin der schmale Trampelpfad und dessen Ende.
Ich bin der wolkenlose Himmel.
Ich bin wach."
Hape Kerkeling: Der Junge muss an die frische Luft - Meine Kindheit und ich (Piper Verlag, München 2016, Seite 311)
Danke für's: Hallo wach!
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Podcast Ep.11: Ehrfurcht angesichts der Katastrophe -
Die komplementäre Seite zur Liebe, die hier unserem Heimatplaneten gilt
Beginnen wir mit Pathos – hier gewinnt der zu Beginn eingespielte Jingle eine vollkommen neue Dimension: Von vorne wie von hinten, von rechts wie von links und vor allem von oben wie von unten!
Der 2016 verstorbene Roger Willemsen schließt seine kleine nachgelassene Schrift Wer wir waren mit berührenden und bewegenden Gedanken ab. Er spricht über die wenigen hundert Menschen, die außerhalb der Erdatmosphäre geatmet haben und führt in diesem Zusammenhang aus:
„Nichts scheint die ersten Weltraum-Reisenden vorbereitet zu haben auf das, was die Anschauung des Alls und der Erde im All in ihnen auslösen würde, demütig und poetisch haben sie sich dem quasi Religiösen einer Erfahrung des Exterritorialen zu stellen versucht und wieder einen ersten Blick geworfen.
Einige haben für diese Erfahrung das alte Wort 'Ehrfurcht' verwendet, haben im Angesicht der unendlich empfindlichen Hülle der Biosphäre von 'Respekt' und 'Achtung' vor der Schöpfung und der 'persönlichen Beziehung' zum 'Heimatplaneten' gesprochen, haben aus diesem Erleben ein Gefühl der Verantwortung abgeleitet und sich in einer tieferen Bedeutung als 'Erdenbürger' erkannt.
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Podcast Ep.10: Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar
Zwischen unendlicher Liebe und unendlichem Schmerz
Volker Weidermann hat in der ZEIT vom 18. Juni 2026 (Ausgabe 27/26) seinen kleinen Beitrag zur „Jahrhundert-Schriftstellerin“ Ingeborg Bachmann mit der Überschrift versehen: „Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar“ und spricht von Ingeborg Bachmanns „Schreib- und Lebensüberzeugung“.
Die zehnte Episode knüpft in gewisser Hinsicht nahtlos an die neunte Episode an. Dieser neunten Episode hatte ich den Titel gegeben „Zwischen Liebe und Schmerz – Trauer ist heilsam, wenn sie auch einen lebendigen Kern hat“.
Die 1926 in Klagenfurt geborene Ingeborg Bachmann steht in der Folge als tragisches Exempel für ein dramatisches Scheitern in einer Welt der Doppelzüngigkeit und Doppelmoral. Volker Weidermann kommt zu der Überzeugung:
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Podcast Ep.9: Zwischen Liebe und Schmerz – hat Trauer auch einen lebendigen Kern?
Heute ist der 21. Juni 2026. Der Todestag meines Bruders jährt sich zum zweiunddreißigsten Mal. Ich bin alt und habe noch meinen Bruder vor Augen – in der Mitte seines Lebens. Heute beginne ich meine Trauerrede mit einem Lied. Ich möchte zeigen, wie die Auseinandersetzung mit dem Verlust eines geliebten Menschen diese entsetzliche Lücke in unsere Familie reißt; uns zwingt mit dieser Lücke zu leben und Wege zu finden, die gleichermaßen mit Erinnerungen gesäumt sind, und die eben geeignet sind und waren, den Aufbruch in eine unbestimmte Zukunft zu ermöglichen.
Gewiss bin ich weder Nietzsche-Kenner und erst recht kein Epigone. Aber er bringt auf unvergleichliche Weise auf den Punkt, worum es hier geht:
In Vom Nutzen und Nachteil der Historie heißt es im ersten Abschnitt:
„Betrachtet die Herde, die an dir vorüberweidet: sie weiß nicht, was gestern, was heute ist, springt umher, frißt, ruht, verdaut, springt wieder, und so vom Morgen bis zur Nacht und von Tage zu Tage, kurz angebunden mit ihrer Lust und Unlust, nämlich an den Pflock des Augenblicks.“
Bevor er den Neid der Menschen benennt, stellt er uns in den Blätterregen unserer Geschichte:
„Fortwährend löst sich ein Blatt aus der Rolle der Zeit, fällt heraus, flattert fort – und flattert plötzlich wieder zurück, dem Menschen in den Schoß. Dann sagt der Mensch >ich erinnere mich< und beneidet das Tier, welches sofort vergißt und jeden Augenblick wirklich sterben, in Nebel und Nacht zurücksinken und auf immer verlöschen sieht.“
Und Nietzsche schildert im Fortgang jene Tragik, von der wir Überlebenden hoffen ihr entgehen zu können:
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