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Jules Barnes - Good Morning II (hier: Teil I)
in progress
Das folgende mag nun zunächst einmal merkwürdig anmuten. Aber was die Geschichte in der Geschichte anbelangt, die Sie, werter Herr Barnes erzählen, nimmt ja ein Jack Russell namens Jimmy zunehmend eine Hauptrolle ein, auch deshalb, weil Jimmy - nach dem Ableben von Jean und Stephen - bei Ihnen Asyl findet. Sie merken an, das Jimmy der Kümmerling seines Wurfes gewesen sei, und dass Jean in in der ersten Zeit in der Manteltasche herumgetragen hat. In bester Tradition - ich verweise hier einmal auf John Steinbecks Charly und auf den Charly (ich glaube ein Dackel), den Karl Otto Hondrich in Verehrung John Steinbecks ebenfalls Charly nennt - lassen Sie nun Jimmy Persönlichkeit werden. Hier ein paar kleinere Kostproben:
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Good Morning, Mister Barnes,
(hier: Teil II)
Ich folge Ihrer Einladung in eine unbestimmte Stadt in einem unbestimmten Land in ein Straßencafé.
Und ich kann Ihnen versprechen, meine Hörgeräte sind aufgeladen, und ich sitze zu Ihrer Rechten, denn mein linkes Ohr ist das empfindsamere. Ich gebe zu, dass ich Sie nicht sehr gut kenne. Aber Abschied(e) verändert dies gerade eben auf so nachhaltige Weise, dass ich dies gegenwärtig (noch) verschmerzen kann. Hinzu kommt, dass ich knapp sechs Jahre jünger bin als Sie, von lebensbedrohlichen – selbst lebensbegleitenden - Krankheiten verschont; also bei bester Gesundheit. Selbst wenn Ihnen die Marmelade ausgeht (auf Seite 238 – also immerhin auf der vorletzten Seite), mag es mir noch vergönnt sein, meinen Horizont mit Ihren Anregungen zu erweitern. Ich werde weiterschauen, bis mir ebenfalls die Marmelade ausgeht.
Nun habe ich – wie es inzwischen einer guten Gewohnheit entspricht – auch Ihre Abschiede ein wenig von hinten aufgezäumt. Dies ist insofern zumindest fragwürdig, als Sie mir bereits auf den ersten Seiten einen Flash verpasst haben, der sich in meiner zweiten Lebenshälfte als lebensbegleitendes Elixier in mir breitmacht (Kurz vor Schluss I und Kurz vor Schluss II – das erinnert mich im Übrigen an Ihre letzten Interviews, die bislang immer vorletzte waren. Mal sehen, ob sich das mit ihrem letzten Buch auch so verhält, siehe Seite 18).
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NIE WIEDER
und das zivilisatorische Minimum
Ein starkes Plädoyer für die Alternativlosigkeit einer lebendigen Erinnerungskultur mit Zygmunt Bauman eingedenk der von Carl Schmitt eingeführten ontologischen Fundamentalbetonage von Freund und Feind
Tova Friedman hat am 27. Januar im Deutschen Bundestag im Rahmen der Gedenkstunde eine Rede gehalten, die ihr eigenes Überleben im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau für alle Zuhörer und Zuschauer in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit rückte. So sehr diese Rede berührte durch die äußerst konkreten Schilderungen einer inzwischen 87 Jahre alten Frau, so sehr betonte sie in ihrer Rede die Voraussetzungen für ein Handeln, das in seiner Grausamkeit und Unmenschlichkeit immer wieder die Grenzen unserer Vorstellungskraft überschritt (siehe exemplarisch: Posener Reden Heinrich Himmlers). Will man der Vorstellungskraft mit Blick auf die Grausamkeit und die Unmenschlichkeit der Massenvernichtung im Zuge der sogenannten Endlösung aufhelfen, so muss man die Prämissen in Augenschein nehmen, die einem entsprechenden Handeln zugrunde lagen. Sie entziehen sich als tiefster und radikalster Ausdruck jenes Zivilisationsbruches einem Verständnis, wie es die Mütter und Väter der Grundgesetzes - darauf hat Julia Klöckner als Präsidentin des Deutschen Bundestages in ihrer gestrigen Eröffnungsrede hingewiesen - mit Artikel 1 des Grundgesetzes in unserem Selbstverständnis verankert haben. Aus naheliegenden Gründen:
Weiterlesen: Tova Friedman - NIE WIEDER und das zivilisatorische Minimum
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Harald Martenstein: Tschüss! Nach 24 Jahren macht Harald Martenstein Schluss (ZEIT-MAGAZIN 4/26)
Harald Martenstein will siebzig werden - total alt(:-))
Veröffentlicht: Dezember 2022
- auch für Rudi, der Martensteins Kolummnen mochte und im Hinblick auf lebenssatte Perspektiven Martenstein eben zehn Jahre voraus war!
Harald Martenstein und ich sind uns schon einmal begegnet: In Der Tod und ich sinnierte er über die Sinnfrage(n) des Lebens und gab mir dazu ein Interview . Im aktuellen ZEIT-Magazin darf er nun über das Altern schreiben- total alt, in diesem Jahr (2023) die siebzig anstrebend (es handelt sich beim aktuellen ZEIT-Magazin bereits um die Nr. 1/23), stellt er zunächst einmal fest, wer alles zu seinem Jahrgang gehört. Ich bin überrascht - ein illustres Jahrgangstreffen. Ich gehöre ja nicht dazu, da ich die siebzig ja bereits seit Februar im Gepäck habe).
Harald Martenstein feiert mit Kim Basinger, Cyndi Lauper, Isabelle Huppert, Pierce Brosnan, John Malkowich, Jim Jarmusch, Tony Blair und Klaus Wowereit - und natürlich Herr Kröger, bei dem Harald Martenstein öfter mal Zeitungen kauft. Ich hingegen habe mich entschlossen, Harald Martenstein erneut zu besuchen und lade ihn in bewährter Manier zum Interview, wie schon 2014 und wieder einmal ganz ohne Reisekosten und Spesen.
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Ricarda Messner: Wo der Name wohnt II - hier Teil I
Eine Ermunterung für meine Nichte Kathrin
Hausnummer 36 und 37, hier in Berlin hat die Familie jahrelang gelebt. Hier ist sie vor fünf Jahrzehnten aus Riga angekommen. Hier treffen Alltag und Erinnerungen aufeinander. Und hier hat die einzige Tochter den Wunsch, den Familiennamen zu bewahren – und die Geschichten, die mit ihm verbunden sind.
So ist es zu lesen auf der Rückseite des Umschlags zu Ricarda Messners (Jahrgang 1989) Buch Wo der Name wohnt (Suhrkamp, Berlin 2025). Drei Frauen bilden das generative Gerüst, dem der Erzählstrang dieses 166 Seiten umfassenden Büchleins folgt. Großmutter und die Mutter traktiert die Enkelin bzw. die Tochter mit ihren Fragen. Die Mutter kommt dabei nicht gut weg:
„Stelle ich meiner Mutter solche Fragen, kann sie mir nicht weiterhelfen, wundert sich. An die von mir gewünschten Details kann sie sich nicht erinnern, auf solche Dinge hat sie nicht geachtet, und überhaupt erinnert sie die Vergangenheit schlecht.“ (Seite 24)
Gleichwohl erinnert Ricarda Messner andere Tage, die sie zwar nicht verstehe, über die sie sich aber freue:
„Da will Mutter von alleine zurück, schenkt mir phantastische Geschichten, schickt Fotos, erzählt die Geschichten hinter den Fotos.“
Warum komme ich mir weniger skurill vor, wenn ich das lese und soeben dem SPIEGEL für’s Familienalbum ein Foto angeboten habe und gleichzeitig die Geschichte dahinter andeute?
